Innerliche Unruhe steuern …

Kennen Sie das Gefühl? Frühmorgens? Ein unangenehmes Kribbeln im Bauch, das hoch kriecht bis zum Hals? Ja? Dann geht es Ihnen wie mir, manchmal. Es drängt mich zur Aktivität. Es macht mit mir. Es presst meine Nervendecke auf ein Minimum und lässt mich unbewusst und für meine Umwelt emotional überreagieren. Es ist sehr unangenehm. Manche sprechen auch davon mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein. Sie sprechen nicht, ziehen sich in sich zurück und stoßen mit diesem Verhalten ihre Mitmenschen vor den Kopf.

Lasse ich mich treiben, ist ein Streit, ein Vorwurf an andere vorprogrammiert. Nehme ich dieses Gefühl, diesen Zustand, bewusst wahr, so bemerke ich eine gewisse Hilflosigkeit, einen Zwie-, nein einen Kreuzspalt, der links resigniert zu mir spricht: „Was soll das alles?“, rechts ganz laut schreit: „Lauf davon““, von vorne nervt: „Erledige Deine Aufgaben!“ und rückseitig motiviert: „Lenk Dich ab!“ … In diesem Moment ist es sehr verführerisch einer dieser vielen Stimmen nachzugeben, den programmierten Glaubenssätzen Gehör zu schenken. Eltern sprechen, Lehrer sprechen, die Gesellschaft spricht … Autoritäten gibt es überall.

Ich wäre kein Coach, wenn ich nicht mit einem Auge gespannt auf diesen Zustand blicken würde. Was macht es mit mir? Welche Automatismen laufen ab? Wie kann ich diese wahrnehmen? Welche alternativen Strategien habe ich zur Verfügung? Finde ich einen Umgang damit? … Viele Fragen, die kreuz und quer durch meinen Kopf schwirren.

Zeit und Ruhe schaffen Raum zur Selbstbeobachtung. Akzeptanz und bewusste Atmung sorgen für die innere Weite der Selbstwahrnehmung. Bewusste Entspannung lässt den Druck erkennen und aushalten. Ich möchte in diesem Zusammenhang nicht von Meditation sprechen, aufrechtes Sitzen, Augen schließen, bewusst wahrnehmen und atmen, reichen an dieser Stelle meistens.

Habe ich diesen Level erreicht, versuche ich mir neue Strategien zur Bewältigung auszudenken. Gedanklich gehe ich diese Verhaltensweisen durch und bemerke intuitiv, welche mir gut tun und welche mir Unbehagen bereiten würden. Je nach Tagesform bin ich dabei mutiger, weniger mutig und manches Mal traue ich mich meine Komfortzone zu verlassen und einer „völlig“ verrückten Idee nachzugeben. „Was traue ich mir maximal zu?“. Diese Frage hat mir an dieser Stelle einige Male geholfen mich nicht zu überfordern, aber auch nicht zu verstecken.

Im Anschluss nehme ich mir mein Lerntagebuch zur Hand und mache mir Notizen zu meinen Gefühlen, den Gedanken und neuen Erkenntnissen, die mich in der kurzen Zeit der Ruhe begleitet haben. Ich picke mir eine neue, manchmal zwei oder drei Verhaltensweisen heraus und probiere sie „real life“ aus. Im Action Learning bezeichnet man das Ausprobieren als „Aktion“, demnach ist es wichtig im Anschluss die Ergebnisse, die Reaktion zu reflektieren und zu dokumentieren. Dabei kann sich eine zunächst interpretierte „völlig“ verrückte Idee als sehr hilfreich erweisen und zu weiteren neuen Erkenntnissen führen und manchmal reicht einfach eine neue Todo-Liste um Ordnung ins Chaos zu bringen … das gilt es selbstverantwortlich herauszufinden …

Aber mit Sicherheit hat der Druck nachgelassen. Sie haben das Steuer in die Hand genommen und sind nicht Opfer Ihrer Automatismen geworden. Sie haben Ihre Mitmenschen, sich selbst und all die vielen Nerven geschont, Ihre Aufmerksamkeit und Selbstwirksamkeit gestärkt, sich selbst besser kennengelernt und die Verantwortung für Ihre eigene Gefühlswelt übernommen … und das alles nur durch ein bisschen Ruhe und Nachdenken … umweltfreundlich und nachhaltig.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s