Ein Plädoyer für das Projekt Identität

Seit jeher vernachlässigt das Bildungssystem die Entwicklung der persönlichen Identität. Innerhalb der schulischen, universitären und Erwachsenenbildung spielt die individuelle Identität und ihre Ausprägung kaum eine Rolle. Nach wie vor fokussiert die klassische Bildung die Übermittlung von Wissen.

Das hat – aus meiner Sicht – weitreichende Folgen.

Die Welt, in der wir leben, mit all ihren unzähligen Möglichkeiten und Chancen, verlangt nach Persönlichkeiten, die sich selbstorganisiert orientieren können. Die Basis hierfür ist die maximal mögliche Bewusstheit hinsichtlich der persönlichen und sozialen Identität. Je mehr Frau oder Mann sich über sich selbst im Klaren sind, desto einfacher fällt die Orientierung innerhalb einer hochkomplexen Umwelt. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: die Kenntnis der eigenen Person d.h. persönliche Werte, Haltung, Merkmale, Interessen, Stärken und Schwächen … ist essentiell um gegenwärtig und zukünftig ein erfüllendes Leben zu führen.

Folglich beschäftigen mich sehr oft Fragen wie: Warum ist das Thema Identität nicht Teil der schulischen Bildung? Warum bringt man Schülern und jungen Erwachsenen nicht Methoden bei, die sie in die Lage versetzen sich mit ihrer eigenen Person vertraut zu machen? Wann, wenn nicht in der Schule, sollte man beginnen über sich selbst nachzudenken? Wie will man – formlos – den geeigneten Start ins Leben finden?

Teilweise Antworten darauf fand ich wieder einmal innerhalb meines Bücherstapels. Die Identität – so steht geschrieben – sei erst seit sehr kurzer Zeit massiv unter Druck. Das Projekt Identität erst seit VUCA eines um das man sich mehrheitlich selber kümmern sollte. In früherer Zeit waren die wesentlichen Merkmale der Identität vorgegeben. Die festen Parameter: Wohnort, Familie, etc. und die übersichtlichen Möglichkeiten sorgten für Einordnung und Festlegung und generierten somit ein Gefühl der Sicherheit, einen stabilen Startpunkt um das Leben zu meistern.

Die Identität – ein Opfer der Zeit?

Das Bildungssystem – das hinterher hinkt?

nicht ungewöhnlich …

aber folgenschwer …

Unübersichtlichkeit, unzählige Möglichkeiten und Orientierungslosigkeit produzieren Hilflosigkeit, Angst und Unsicherheit.

An dieser Stelle fallen mir die unzähligen Meldungen der Tagespresse ein: die Menschen wünschen sich wieder starke Führungspersönlichkeiten, der nationale Rückzug, die Feindseligkeit gegenüber Fremden, …

Meine Überlegungen dazu: Wenn ich mir meiner eigenen Identität bewusst bin, meiner eigenen Stärken, Schwächen, Interessen etc., dann ist es mir möglich aus den unzähligen Möglichkeiten zu wählen. Ich wähle den für mich zum Zeitpunkt stimmigen Weg. Ich brauche keine starken Führungspersönlichkeiten. Ich bin imstande für mich selber zu sprechen. Ich brauche keinen Rückzug in meine nationale Identität, weil meine Herkunft nur ein Merkmal unter vielen ist und ich nicht nach hinten sondern nach vorne sehe. Ich habe keine Vorbehalte gegenüber Fremdem, weil ich weiß, wer ich bin – selbstbestimmt – und ich keine Angst davor habe fremdbestimmt verformt zu werden.

Denken Sie nicht auch, dass wir Hilflosigkeit, Angst, Unsicherheit, … und deren Folgen massiv reduzieren könnten, wenn wir das Thema Identität bereits von Kindesbeinen an mehr in den Mittelpunkt stellen würden? … Ich bin davon überzeugt.

 

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Ein Plädoyer für das Projekt Identität

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s